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Bringen Beeren den Bandwurm?

Fit bei jedem Wetter, 20.08.2022

Was ist dran am Fuchsbandwurm-Mythos?

Wohl die wenigsten können behaupten, in ihrer Kindheit nicht auf die Gefahr, die von wilden Waldbeeren ausgeht, hingewiesen worden zu sein.

Auch unsere Eltern haben es uns eingebleut: "Iss ja nicht die ungewaschenen Brombeeren, du könntest dir einen Fuchsbandwurm holen!"

Horrorszenarien, wie sich ein schlangenähnliches Wesen den Weg durch unsere Organe frisst, waren seit jeher mit jeder wilden Brom- oder Himbeere verbunden, die wir danach im Wald entdeckten. Selten trugen Warnungen unseren Eltern Früchte, in diesem Fall taten sie es aber. Beeren gab es für uns jedenfalls seitdem nur aus dem heimischen Garten oder dem Supermarkt.

Heute wissen wir, dass unsere Eltern nur das beste für uns wollten. Sie wollten uns vor den gefährlichen Früchten schützen - entweder aus Unwissenheit oder weil sie es selber von ihren Eltern so mit auf den Weg bekommen hatten.

Doch was ist wirklich dran an der Geschichte mit dem Fuchsbandwurm?

Böse Brombeeren?
- Bild: Achim Otto

Lassen wir zunächst die Zahlen sprechen: Bei 26 Menschen Deutschland wurde beispielsweise im Jahr 2016 alveoläre Echinokokkose, also die Infektion durch den Fuchsbandwurm, nachgewiesen. Das belegen Auswertungen des Robert-Koch-Instituts (RKI). Mit hoher Wahrscheinlichkeit haben sich die Betroffenen aber nicht erst vor kurzer Zeit sondern bereits in den 1990er- bzw. 2000er-Jahren mit dem Erreger infiziert.

Hat sich der Parasit in den menschlichen Körper eingenistet, dauert es nämlich zehn, vielleicht auch 20 Jahre, bis erste Symptome auftreten. Vor allem in den 1990er-Jahren zählte das Bundesgebiet eine Vielzahl infizierte Füchse. Das würde auch die höheren Zahlen der Neuinfektionenen aus den vergangenen Jahren erklären, die teils doppelt so hoch waren wie etwa im Jahr 2005.

Sehr wenige infizieren sich also mit dem Fuchsbandwurm; bleibt noch die Frage zu klären, wie sich die Infizierten mit dem Parasiten anstecken konnten.

Eine Studie aus dem vorvergangenen Jahr kann der Theorie, dass "böse Beeren" Hauptüberträger des Bandwurms sind, nur wenig abgewinnen; nicht zuletzt auch, da sich die meist über dem Boden wachsenden Him- und Brombeeren und der Darm des Fuches nur in den seltensten Fällen "in die Quere" kommen.

Vielmehr scheinen Hunde der Schlüssel zu sein. Auffällig viele Hundebesitzer, so zeigt die Studie, erkrankten an dem Parasiten. Schuld sind die Larven der Fuchsbandwürmer, die, nachdem als Eier vom Fuchs ausgeschieden, in den Därmen von Mäusen schlüpfen. Fängt ein Hund eine infizierte Maus und frisst sie womöglich, liegt auch die Weitergabe auf sein Herrchen oder Frauchen nicht in weiter Ferne. Vom Hundefell könnten die Eier, etwa durch Hand- und anschließendem Mundkontakt, auch schnell in den menschlichen Organismus geraten.

Panik sollte nun unter den Hundebesitzern aber auch nicht ausbrechen, denn es braucht, da sind sich die Experten einig, schon eine erheblich Dosis Eier, um eine Infektion beim Menschen auslösen. Und selbst dann greift der Fuchsbandwurm nur in den seltensten Fällen um sich. In Europa sind nämlich 90 % der Menschen resistent gegen den Parasiten.

Großes Pech - so lässt sich eine Infektion mit dem Fuchsbandwurm am treffendsten erklären. Auf wilde Beeren oder unser Haustier sollten wir aus Angst vor dem ein bis vier Millimeter großen Parasiten aber nicht verzichten. Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, wäscht die gepflückten Beeren vor Verzehr oder kocht sie ein - und spendiert Bello regelmäßig eine Wurmkur.

 
  Michael Mertens
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