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(K)eine sichere Erde

Klima, 30.09.2020

Rücksicht, Bewusstheit und Verzicht statt isolierendes „Prepper-Denken“

Die Coronakrise zeigt uns derzeit vor allem Eines: Krisen können uns alle treffen. Wenn ein fast unsichtbarer, winziger Virus von maximal 160 nm es geschafft hat, dass Schulen geschlossen werden, wir alle mit Atemschutzmasken durch den Supermarkt laufen und welches bereits eine Millionen Menschen unter die Erde gebracht hat, stellt sich unweigerlich diese eine Frage: Was steht uns angesichts der Klimaveränderungen und der Globalisierung noch alles bevor? Was tun wir, wenn Wirbelstürme auf unser Haus zurasen, Überschwemmungen unsere Keller fluten oder die Hitze immer extremer wird?

Angesichts dieser zentralen Fragen, die die gesamte Gesellschaft (man nennt sie auch Weltgesellschaft) betrifft, versuchen derzeit weltweit Geographen, Virologen, Soziologen, Wirtschaftswissenschaftler, Politiker und viele mehr Antworten zu finden und Strategien zu entwickeln, um die Menschheit möglichst effektiv zu schützen. Gleichzeitig können aber auch wir als „kleine Bürger“ vieles „besser“ machen, wenn wir die Umwelt und uns schützen möchten.

Hurrikan Harvey - Bild: NOAA

 

Schrumpfende Welt gleich schrumpfende Selbstbestimmung?

Wir leben in einer Welt, die durch die fortschreitende Technologie, Digitalisierung und Globalisierung immer weiter zusammenschrumpft. Wir kommunizieren schnell, stellen Produkte am Fließband her, schicken Pakete um die ganze Welt und arbeiten auf dem Laptop, während der Zug, in dem wir sitzen, mit rund 300 km/h durch die Landschaft braust. Kurz: Wir befinden uns in einer Phase der Schnelllebigkeit, die es in diesem Ausmaß bislang noch nicht gegeben hat. Soziologisch gesehen ist es daher keine Überraschung, dass immer mehr Menschen aus „der Masse herausstechen“ wollen, Politikern misstrauen oder der „Allgemeinheit“ den Rücken zuwenden.

Die Individualisierungsthese, die davon ausgeht (vereinfacht formuliert!), dass sich das Individuum durch diesen Prozess möglicherweise unterdrückt fühlt und daher eigenständig handeln möchte, ist nur eines von mehreren Modellen, die von Gesellschaftswissenschaftlern untersucht wird. Der Selbstbestimmungsgedanke kommt möglicherweise auch bei den sogenannten „Preppern“ auf, welche derzeit durch die Coronakrise immer häufiger in den sozialen Medien erscheinen. Doch was sind Prepper genau?

Unsere hektische, moderne Welt steht nie ganz still
Bild: Achim Otto

 

„In der Krise blühen Prepper auf“

In einem Artikel der Zeit im April 2020 schrieb die Redakteurin Antonia von Schöning über Prepper: „In der Krise blühen Prepper auf. Denn auf Katastrophen, ob Stürme, Erdbeben, Terrorangriffe, Wirtschaftskollaps oder Epidemien, sind sie vorbereitet. Sie haben ausreichend Lebensmittel vorrätig. Sie horten Schutzkleidung, Medikamente, Werkzeug, Survivalmesser und mitunter auch ganz andere Waffen. Sie proben Krisensituationen und erstellen Notfallpläne.“ Kein Wunder also, dass sie sich derzeit durch die Coronakrise in ihrem Denken „bestätigt“ sehen.

Die ersten Prepper verzeichneten die USA während des Bürgerkrieges Mitte des 19. Jahrhunderts, als gewöhnliche Südstaatler begannen, Kisten voller Lebensmittel an geheimen Orten zu vergraben. Für den Fall der Fälle, also den schlimmsten. Das primäre Streben eines Preppers zielt darauf, Vorräte anzulegen. Während man sich noch vor einigen Jahren einen Prepper als einen weißen Mann mit Bart vorgestellt hat, der im Wald lebt und nichts mehr mit der „zivilisierten Gesellschaft“ zu tun haben möchte, hat sich dieses Bild aber weitestgehend gewandelt.

Isolierung statt Solidarität kann gefährlich werden
Bild: Achim Otto

 

Querdenker oder Extremdenker? Prepper ist nicht gleich Prepper

Gegen die Norm zu handeln oder auch „anders“ zu denken sollte niemals verwerflich sein. Wir alle sind frei. Gefährlich wird es nur dann, wenn wir anfangen eigennützig zu denken, alles „schwarz zu malen“ und neben der Hortung von Lebensmitteln kaum noch einen Lebenssinn zu kennen. Einige Prepper – längst nicht alle! – driften schnell in dieses beschriebene Extreme ab, sind teils gewaltbereit oder suchen ihre Bestätigung in der Bewältigung von Krisen. Gemeinsam ist extremen Preppern ein fundamentales Misstrauen gegenüber staatlichen Autoritäten, von denen sie sich keine Hilfe im Notfall versprechen, sondern die sie als Bedrohung ihrer Freiheit betrachten. Auf der Suche nach Zusammenhalt und Selbstbestimmung heißt es dann schnell: „Wir und die anderen“. Doch wie gesagt längst nicht alle Prepper denken so und es gibt durchaus friedliche „Aussteiger“.

 

Den Mittelweg suchen: Wie wir schon mit kleinen Mitteln die Welt - und uns - retten könn(t)en

Da wir Menschen andere Menschen brauchen, um zu überleben, sollte uns unser eigener Menschenverstand eigentlich schon verraten haben, dass komplette Isolierung auf lange Sicht keine Lösung, sondern eine Verzögerung der Lösung, ist. Wir alle brauchen (vor allem derzeit) einen selbstbestimmten Lebenswandel, eine eigene Denkrichtung, ein eigenes Ziel - doch was wir sicher nicht brauchen ist die Isolation von allen anderen. Nicht umsonst steht heute an jeder zweiten Straßenecke ein Schild mit der Aufschrift „Solidarität ist die Antwort“.

Solidarität tut der Welt gut
Sonnenuntergang an der Nordsee - Bild: Achim Otto

 

Was können wir aber konkret tun?

Da jedoch niemand in die Zukunft schauen kann und wir alle „nur“ Menschen sind, empfiehlt es sich auch menschlich mit den bevorstehenden Problemen umzugehen. Eine achtsamere Lebensführung, kleine Maßnahmen und gegenseitige Hilfe können hier Wunder wirken. Eine achtsamere Lebensführung kann beispielsweise den Anbau eigener Lebensmittel, die Wiederverwendung von Kleidungsstücken oder den häufigeren Verzicht des Autos bedeuten.

Jeder darf natürlich ein paar Dosen horten oder sich auch einen Wasserspeicher zulegen, aber wenn wir ausschließlich an uns denken, allem und jedem misstrauen und jeden Tag auf die Katastrophe warten, kann das unseren Sinn für Solidarität verkleinern. Kurz: Selbstbestimmung und kleine Maßnahmen ja, extremen Gedanken lieber mit Vorsicht begegnen. Schließlich sind wir nicht allein auf dieser Welt und den Zusammenhalt können wir in naher Zukunft mit großer Sicherheit gebrauchen.

  Sarah Bertram
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