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Wasserkrise wird sich immer weiter verschärfen

Klima, 25.01.2016

30% der Weltbevölkerung haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Für den Menschen sind von den ca. 43 Mio. km³ Süßwasser nur ca. 30% verfügbar. Der Rest liegt in gefrorener Form vor (Grönland/Südpol). Der Mensch kann ohne Nahrung längere Zeit überleben, ohne Wasser nur wenige Tage. Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass allen Menschen das Recht auf sauberes Trinkwasser zugebilligt wird.

In Wirklichkeit jedoch wird gegen dieses ethisch und moralisch begründete Gebot in eklatantem Maße verstoßen. Über 30% der Weltbevölkerung wird nicht mit sauberem Trinkwasser versorgt, und es wird geschätzt, dass über 2 Mio.
Menschen, darunter bis zu 5.000 Kinder, täglich an Wassermangel und verschmutztem Trinkwasser sterben.

Obwohl zwar punktuelle Fortschritte, dank z. B. der Welthungerhilfe und Verbesserungen der Infrastrukturen, erzielt wurden, ist es doch erstaunlich, wie wenig sich trotz weltweiter Anerkennung der Situation in den vergangenen Jahren verändert hat.

Bild: Marcel Lentz

Das Milleniumziel der Vereinten Nationen, wonach die Zahl der Menschen,
die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, bis 2015 halbiert werden soll, wurde bei weitem nicht erreicht. Im Gegenteil: Die Situation wird sich in Zukunft noch verschärfen.

Die Problematik des Zugangs zu sauberem Wasser trifft vor allem auf unterentwickelte und sogenannte Schwellenländer zu. Diese Länder sind wegen der Lage in ariden (trockenen) Zonen der Erde oder aufgrund einer raschen Zunahme der Bevölkerung dem Problem nicht gewachsen.

Wo liegen die Gründe für den bisherigen Misserfolg und wie ist diese dramatische Situation zu ändern?


Ein Hauptgrund für die Vergeblichkeit der Bemühungen liegt in der stark anwachsenden Weltbevölkerung. Sie wächst täglich um mehr als 200.000 Menschen und das hauptsächlich in den erwähnten Entwicklungs- und Schwellenländern.

Hier treffen die Probleme der Bevölkerungszunahme, die ungünstigen Klimaverhältnisse und die geringen technischen Möglichkeiten in fataler Weise aufeinander.

Ebenso ist die Landwirtschaft ein entscheidender Faktor, indem sie riesige Wassermengen verbraucht, die letztendlich der armen Bevölkerung fehlen. Die
Landwirtschaft verunreinigt zudem vorhandene Süßwasserreservoires durch Düngemittel, Herbizide etc. und rechtfertigt deren Einsatz mit dem begründeten Hinweis auf die gesteigerte Nachfrage nach Nahrungsmitteln.

Gleichzeitig sind die Folgen der Industrialisierung am Ausstoß von Kohlendioxid- und Stickstoff- Emissionen u. a. spürbar. Kontaminierte Abwässer und anderweitige Schadstoffe gelangen über die Bodenflüsse ins Grundwasser und gefährden, auch in Europa, das Trinkwasser und die Wasserreserven.

Die Pufferkapazitäten der Böden zum Abbau der Schadstoffe sind zunehmend überschritten, so dass bei anwachsender Verletzung der irdischen Kapazitäten die Probleme größer und letztendlich unlösbar werden.

Auch bieten Brunnenbohrungen in Trockengebieten zur Bereitstellung von wertvollem Trinkwasser nur kurzfristige Abhilfe, da sie im Laufe der Zeit immer tiefer werden. So sinkt der Grundwasserspiegel dramatisch und irgendwann ist das Wasser wegen Versalzung nicht mehr verwendbar.

Zwar bieten Meerwasserentsalzungsanlagen vielversprechende Lösungen,
sind aber enorm energie- und kostenintensiv und nur von Industrieländern verwendbar.

Ein weiteres Problem ist die zunehmende Wüstenbildung, die mittlerweile bis zu einem Viertel der Landmasse der Erde betrifft. Beim Beschluss des Übereinkommens der Vereinten Nationen zur Verhinderung der Wüstenbildung von 1977 in Nairobi beschäftigte man sich erstmals global mit diesem Thema.

Neben dem Klima und der globalen Erwärmung ist der Mensch entscheidend
für die Desertifikation und Wasserknappheit verantwortlich. Erosionsprozesse, d. h. die Abtragung und Zerstörung des Bodens, führen zur Versteppung von Landschaften, denen die Zeit zur Regeneration fehlt.

Das Acker- und Weideland wird unproduktiver, auch mangelhafte Bewässerungssysteme führen zur Versalzung von Ackerböden und die biologische Vielfalt verringert sich. Wüstenbildungen zwingen die arme Bevölkerung, ihre Heimat zu verlassen, um ihre Familien mit dem Nötigsten, besonders sauberem Trinkwasser, zu versorgen.

In Somalia hat die Wüstenbildung zu Wasserknappheit, Hungersnöten, politischen Konflikten und zum Zusammenbuch des Landes geführt.

Doch auch in Europa wird ein fortschreitender Prozess der Desertifikation beobachtet.

Im europäischen Mittelmeerraum, z. B. in Südostspanien, besonders in Andalusien, gibt es mittlerweile mehr als 1 Mio. ha Wüste. Auf Sizilien und Sardinien und in Griechenland gibt es ebenfalls neue Wüstenbildungen.

Zudem wird in Spanien, etwa beim Erdbeeranbau unter Plastikfolien, der
durch EU-Subventionen unterstützt wird, durch nicht angepasste Beregnungsanlagen extrem viel Wasser vergeudet. Tröpfchenberieselung würde
viel Wasser sparen.

Da es im Wandel des Weltklimas, der vor allem durch die Industrienationen ausgelöst wird, keine Gerechtigkeit gibt, wird die Kluft zwischen den reichen Industrienationen des Nordens, die im Vorteil sein werden, und dem ärmeren Süden, der die Last trägt, immer größer.

Würde sich die Weltbevölkerung mehr vegetarisch ernähren, könnte sie ebenfalls ihren Wasserverbrauch enorm senken, da weniger Tiere mit Futterpflanzen ernährt werden müssten.

Um sich den Ernst der Lage zu vergegenwärtigen, reicht die Tatsache, dass sich die Weltbevölkerung im 20.Jahrhundert verdoppelte, der Wasserverbrauch aber um das sechsfache stieg.

Die Situation eskaliert: Streitigkeiten um Zugang zu dem lebensnotwendigen Wasser sind in den betroffenen Gebieten häufig und unvermeidbar.
Staaten bauen riesige Trinkwasserreservoirs durch Anstauung von Flüssen und nehmen dadurch den unterhalb der Staumauer liegenden Ländern die Möglichkeit der Nutzung.

Hilfsprogramme zum Schutz der Biosphäre (Wasser, Boden, Luft) sollen z.B. in Südamerika Kaffeebauern, die wasserverunreinigende Nebenprodukte
der Kaffeeproduktion im Oberlauf des Flusses entsorgen, ermöglichen, die Bauern flussabwärts zu entschädigen.

Buthros Ghali, der spätere UN-Generalsekretär, warnte schon in den 70er Jahren davor, dass eines Tages Wasser und nicht mehr Erdöl der Hauptgrund für Kriege sein würde. Schon damals existierten Wasserabsprachen während Kriegen, beispielsweise das Mekong-Kommitee während des Vietnamkrieges. Streitigkeiten um das Euphrat- und Jordanwasser sind nur ein
Beispiel der aktuellen Konfliktfelder.

Fehlendes Wasser für die leidende Bevölkerung in Krisen- und Kriegsgebieten wie Syrien und anderen Ländern des Nahen Ostens und Afrikas sind ebenfalls
alarmierend.

Um für die Zukunft nachhaltig zu sorgen und die Umwelt zu bewahren, wäre ein radikales Umdenken nötig. Durch Aufklärung und Bildung müsste das Anwachsen der Weltbevölkerung gestoppt werden. Es ist genug Wasser
für alle da, es ist eine Frage der gerechten Verteilung.
Um die Weltbevölkerung weiter zu ernähren, müsste die Getreideproduktion durch Bewässerung auch in trockenen Regionen gesteigert werden. Projekte der Wasserversorgung in
Entwicklungsländern sollten durch ein besseres, nachhaltiges Management in den betroffenen Regionen unterstützt werden. Sozialgerechte Verteilung des Wassers muss angestrebt werden, denn eine Wendung zum Besseren ist dringend erforderlich.

(Autorin: Esther Reinecke, für die "Bonner Umweltzeitung" Februar / März 2015)

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