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Bahnfahren nur noch für Schmerzlose

aktuell, 24.01.2023

Tiefpunkt in der Erreichbarkeit bestimmter Regionen ist erreicht.

Klar, gemeckert wird über die Deutsche Bahn gerne und regelmäßig - mal zu Recht, mal zu Unrecht.

Inzwischen ist aber ein Tiefpunkt in der Erreichbarkeit bestimmter Regionen erreicht - und wir sprechen hier nicht von Gebieten "weit ab vom Schuss". Beispiel Bonn - ehemalige Bundeshauptstadt mit knapp 330.000 Einwohnern. Nicht nur 20 Organisationen der Vereinten Nationen unterhalten hier einen Sitz, auch zahlreiche Ministerien und zwei DAX-Unternehmen. Bonn gilt darüber hinaus als Stadt der Pendler: Im Jahr 2021 pendelten alleine aus Köln täglich 16.000 Menschen zur Arbeit nach Bonn - in die andere Richtung waren es etwa 14.600.

Dementsprechend angespannt ist, wie in vielen anderen Großstädten auch, die Situation auf den Straßen. 

Wer im Jahr 2023 vom Auto auf die Bahn umsteigen will, dem wird schnell klar: Vor allem im Fernverkehr ist der Zug keine Alternative zum Auto - es sei denn, man ist masochistisch veranlagt.

Insbesondere die Mitarbeiter in den Zügen der Deutschen Bahn haben mein Mitleid; also diejenigen, die den Wahnsinn der Geschäftspolitik der Deutschen Bahn und der Bundesverkehrspolitik der letzten zwei bis drei Jahrzehnte vor den zahlenden Kunden ausbaden müssen.

Ich bin viel mit der Bahn unterwegs und verfüge eigentlich über ein starkes Nervenkostüm. Mein persönlicher Negativ-Höhepunkt in Sachen Zugreise am Sonntagabend (22.1.2023) lässt mich aber zunehmend daran zweifeln, weiterhin Bahnkunde sein zu wollen.

Wie so häufig lag am besagten Tag die Wurzel allen Übels einem "technischen Defekt", zugrunde, der die Schnellstrecke zwischen Köln und Frankfurt/Main-Flughafen in den Sperrmodus versetzte. Kann passieren - wenn aber auch "drumherum" nichts läuft bzw. fährt, wird's kritisch!

Der Bonner Hauptbahnhof ist derzeit nämlich auch wegen Bauarbeiten für den Fernverkehr gesperrt - also musste der schnelle ICE nach Hamburg auf der "Nostalgie"-Rheinroute fahren. Die Zugbegleiter versuchten zumindest, die angespannte Stimmung an Bord mit ein wenig Ironie aufzulockern - Begriffe wie "Pannenfahrt" und "Abenteuerfahrt" fielen über die Lautsprecher.

Mit zwei Stunden Verspätung bummelte der proppenvolle ICE am Sonntagabend dann also durchs Rheintal. Wer zuletzt einstieg, den erwartete ein gemütlicher Stehplatz auf dem Gang - zumindest eine funktionierende Heizung war beim Gruppenkuscheln an diesem Tag nicht gefordert. Endstation war dann der einzig ansteuerbare Bahnhof in der Region - Bonn-Beuel. Dreizehn Kilometer vom eigentlichen Zielbahnhof Siegburg entfernt, wo auch mein Auto auf einem P&R-Parkplatz untergekommen war.

Hunderte Reisende bekamen bei Ausstieg dann direkt ein symbolisches Bild davon, wie es um die Bahn bundesweit steht - in Form eines heruntergekommenen Bahnhofs, dessen Gleise durch ein steiles Holztreppenkonstrukt überwinden werden müssen, um auf die andere Seite zu gelangen. Wer konnte, verließ die Baustelle/Bahnhof inkl. dem trostlosen Vorplatz so schnell es ging. Wer sehr schweres Gepäck dabei hat, ließ am besten vorsorglich alles am Bahnhof zurück - rüber kam man damit nämlich nicht. Und wer nicht gut zu Fuß ist oder gar auf einen Rollstuhl oder Rollator angewiesen ist - Pech gehabt!

 An dieser Stelle Glückwunsch an die verantwortliche Verkehrspolitik seit den 1990er-Jahren, die Millionen Menschen im Stich gelassen hat und noch immer lässt. Es ist ein Wahnsinn, wie sich Fehler und Untätigkeit nun rächen. Wie will man den Autoverkehr mittel- oder langfristig reduzieren, wenn die Alternativen immer schlechter werden?

  Karsten Brandt
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